Teilprojekt C.3

Doing Human Rights und das alltagsweltliche Ir-/Relevant-Machen der Kategorien „Mensch“ und „Migrant“

Das Projekt fragt danach, ob, wie und mit welchen Folgen sich eine „Vermenschenrechtlichung“ alltäglicher migrationsgesellschaftlicher Diskurse vollzieht. Es folgt dabei der empirischen Beobachtung, dass alltägliche Interaktionen sowohl von vielfältigen migrationsbezogenen Unterscheidungen als auch vom Gültig-Machen eines universellen Gleichheitspostulats durchzogen sind. Diese ambivalente und vieldeutige Grundkonstellation macht die Interaktion zu einer Arena, in der verschiedenste Kombinationen des Ir-/Relevant-Machens von „Migrant-Sein“ und „Mensch-Sein“ konflikthaft ausgehandelt werden und sich Praktiken des (un)doing migrant mit solchen des (un)doing human auf vielfältige Weisen verschränken können. Ob und wie dabei ein doing human rights while doing migrant zum Tragen kommt, ist eine Frage, die bislang empirisch nicht untersucht worden ist.
Es soll geklärt werden, welche (diskursiven) Praktiken des Ir-/Relevant-Machens der Personenkategorie „Migrant“ und der Entdifferenzierungskategorie „Mensch“ in konflikthaften Interaktionen in teilöffentlichen Situationen zum Einsatz kommen und wovon deren interaktive Durchsetzung abhängt. Das Projekt will ermitteln, welche Rolle die Bezugnahme auf Menschenrechte in diesen Kategorisierungspraktiken spielt, wie diese vollzogen wird und welche Folgen die Verwendung von Menschenrechtspraktiken für die Alltagskommunikation hat.
Anknüpfungspunkte finden sich (a.) in der Alltagssoziologie, die sich den Fragen nach den Strukturen, Regeln und Formen der Interaktion widmet und (b.) bei soziologischen Studien zur Genese, Reichweite und diskursiven Bedeutung von Menschenrechten. Als heuristisches Vehikel für die Verkopplung der Forschungsfelder dient (c.) der Ansatz der Humandifferenzierung, mit dessen Hilfe die Frage nach dem interaktiven Relevant-Machen der Kategorie „Migrant“ und nach dem Vordringen von Menschenrechtsdiskursen in die Welt des Alltags empirisch zugänglich gemacht werden kann. Mit Hilfe dieser Heuristik werden ethnographische Feldforschungen in vier kontrastierenden Teilbereichen des Alltags durchgeführt, in denen Aushandlungen von Mensch-Sein, Migrant-Sein und Menschenrechten zu erwarten sind: Schule, Religion, Sport und Jugendarbeit. Ort der Ethnographie ist Mannheim, wo zwei Teilstudien in den Stadtteilen Hochstätt und Neckarstadt-West durchgeführt werden, die sich in früheren Studien als unterschiedlich hinsichtlich ethnischer Klassifikationsprozesse erwiesen haben.

Leitung: Prof. Dr. Dariuš Zifonun

Mitarbeiter:innen: Tasnim Jabaly, Sebastian Weste, Ann-Kathrin Götz

Zentrum für Konfliktforschung, Philipps-Universität Marburg