Forschungsagenda

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Menschenrechtsdiskurse in der Migrationsgesellschaft“ (MeDiMi) untersucht die Bedingungen, Formen und Folgen der Vermenschenrechtlichung diskursiver Praktiken in migrationsbezogenen Konflikten. Sie analysiert die vielfältigen Bezugnahmen auf Menschenrechte in rechtlichen, politischen und weiteren sozio-kulturellen Kontexten gegenwärtiger Migrationsgesellschaften. Auf dieser empirischen Grundlage entwickelt MeDiMi eine Praxistheorie der Menschenrechte, in deren Zentrum der Begriff der Vermenschenrechtlichung steht.

Die Theorie der Vermenschenrechtlichung erlaubt es, Konflikte über die Inklusion und Exklusion von Migrant:innen besser zu verstehen. In solchen Konflikten berufen sich Akteure vielfach auf Menschenrechte, um auf Strukturen der Migrationsgesellschaft in ihrem Sinne einzuwirken, während andere Akteure Gegendiskurse entfalten. Es handelt sich typischerweise um einen iterativen Prozess, in dem die Akteure sowohl miteinander interagieren als auch auf veränderte strukturelle Bedingungen reagieren. MeDiMi interessiert sich vorrangig für die Praxis von Akteuren, die für die Inklusion von Migrant:innen eintreten und dabei Menschenrechte explizit oder implizit als normative Ressource mobilisieren: als rechtliches Argument, moralisch-politischer Anspruch oder (professions-)ethische Maxime. Diese diskursiven Praktiken werden auf einer zweiten Beobachtungsebene in den Blick genommen, ohne eine „richtige“ Deutung der Menschenrechte vorauszusetzen oder die Thematisierung exkludierender Praktiken als „Menschenrechtsverletzung“ für alternativlos zu halten. Die Forschungsagenda von MeDiMi verspricht eine (Selbst-)Reflexion einer gesellschaftlichen Praxis, in der migrationsgesellschaftliche Akteure Menschenrechtsnormen Bedeutungen zuschreiben und potenziell Relevanz verschaffen.

MeDiMi wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Gruppe besteht aus zehn Forschungsprojekten und einem Koordinierungsprojekt mit mehr als 30 Forscher:innen aus den Rechts-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Standorte der Forschungsgruppe sind die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Philipps-Universität Marburg, die Ernst-Abbe-Hochschule Jena, die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Vrije Universiteit Amsterdam und die Universität Münster.

Die ausführliche Forschungsagenda von MeDiMi hier. Den aktuellen Stand der Theorieentwicklung von MeDiMi finden Sie hier.